Die Silber-, Blei- und Kupfererzgrube „Alte Hoffnung“ bei
Weyer
Günter Sterrmann, Oberursel
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Die Silber-, Blei- und Kupfererzgrube „Alte Hoffnung“ bei Weyer
1. Lage
Die Silber-, Blei- und Kupfererzgrube „Alte Hoffnung“ (Altehoffnung) befindet sich im
Lahntaunus östlich von Weyer, einem Ortsteil von Villmar an der Lahn.
Es wurde, mit großen Unterbrechnungen, über mehrere Jahrhunderte umfangreicher
Bergbau bevorzugt auf Silber betrieben. Mehrere heute noch vorhandene Halden und
Schachtpingen im Gelände weisen darauf hin (siehe Fotos, aktuelle Karte).
Foto: G. Sterrmann
Foto: G. Sterrmann
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Aktuelle Karte
Ausschnitt aus der historischen Lagerstättenkarte Blatt Eisenbach von 1885
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2. Geschichte
Nachdem vermutlich schon die Kelten viele Jahre vor Christi Geburt Bergbau auf
Eisenerz in der Region um Weyer betrieben hatten, bauten die Römer um Christi
Geburt nachweislich Blei- und Silbererze ab. In der Nähe der heutigen Grube „Alte
Hoffnung“ befanden sich die römische Anlage „Alteburg“(südlich der Grube, siehe
Karte) und eine größere römische Siedlung, die nach neueren Erkenntnissen auch
längere Zeit genutzt wurden (SCHADE-LINDIG).
Wie lange die Römer in der Region um Weyer Bergbau betrieben hatten, ist noch nicht
erforscht; jedoch spätestens im 4. Jh. n. Chr. zogen sich die Römer zurück.
Über den Bergbau im Mittelalter (bis 1500) liegen keine Unterlagen vor. Erst zum
Beginn der frühen Neuzeit (nach 1500) gab es im Jahre 1516 ein vom Kaiser Maxi-
milian erteiltes Privileg für die Herren von Wied zur Aufsuchung und Gewinnung von
Edelmetallen (Silber, Kupfer) im Bereich der Gemarkung Weyer. Das Bergwerk wurde
„Weyerer Werk“, „Weyerer Bergwerk“ und später „Alte Hoffnung“ genannt; zu dieser
Zeit war die Lagerstätte also schon bekannt gewesen (WOLTER 1990).
Die Grube soll laut Mitteilung des Geologen KLIPSTEIN im 30-jährigen Krieg (1618-1648)
geruht haben (mineralogischer Briefwechsel aus dem Jahre 1784). Später um 1665 gab
es in Weyer eine Erzschmelze, später Hüttenmühle genannt (heute privat genutztes
Anwesen in der Laubusstraße 74); dies geht aus einer Familienchronik von Duil-
Sennelaub hervor.
Ab 1715 gibt es Hinweise, dass der Bergbau und die Hütte wieder in Betrieb waren und
durch den Forst- und Kammerrat Johann Anton Schmidt (1692-1759) betreut wurden.
Sein Grabdenkmal ebenso wie das seiner Frau in der Weyerer Pfarrkirche weisen auf
Erzbergbau und Verhüttung in der 1. Hälfte des 18. Jh. darauf hin.
1757 übernahmen laut KLIPSTEIN die Gewerken Reichmann, Diesterweg und Strobel
das Silberbergwerk. 1760 wurden die Bergrechte an den Frankfurter Bankier Johannes
Bernard (Bernhard) erteilt, der sie bis zu seinem Tod ausübte und dem Bergwerk zu
großem Aufschwung verholfen hatte. Der damalige Landesherr Christian Ludwig Graf
zu Wied-Runkel erteilte ihm im Jahre 1763 einen Schutzbrief, der in der Weyerer Kirche
jedes halbe Jahr verlesen werden musste. Der Graf scheint die Bemühungen von
Bernard sehr geschätzt zu haben, denn er feierte im Jahre 1762 sogar seine Vermäh-
lung mit der Gräfin Charlotte Sophia Auguste zu Sayn-Wittgenstein – Sayn im Haus
Bernards (heute Haus „Laubusstraße Nr. 14“).
Zu diesem Anlass wurde erst später im Jahre 1767 eine silberne Schaumünze geprägt,
der „Runkeler Hochzeitstaler“; dieser wurde in 102 Exemplare in der Frankfurter Münz-
stätte in Feinsilber geprägt. Grund für die lange Verspätung waren vermutlich Streitig-
keiten mit der damals vorhandenen eigenen Wiedschen Münzstätte.
Auf der Vorderseite dieses Schautalers befinden sich die Brustbilder des jungen Hoch-
zeitspaares. Auf der Rückseite befindet sich die mächtige Burganlage Runkel mit Stadt
und Lahnbrücke; darüber ist das Dorf Weyer im Tal und die Grube „Alte Hoffnung“ mit
Schachtanlage („Kunstschacht“) und Zechenhaus (oder Hütte) auf der Höhe abgebildet.
Die Herkunft des Silbers soll die Randschrift des Talers „EX FODINIS
WEYERIENSIBUS“ d. H. aus der Weyerer Grube bezeugen, obwohl das zur Prägung
verwendete Silber zwar von der Weyerer Gewerkschaft an die Frankfurter Münzstätte
geliefert wurde, aber nicht aus der Weyerer Grube stammte. 1767 fand nämlich kein
Erzabbau in der Grube und somit auch keine Verhüttung des Erzes statt; der Grund
dafür war nach Auskunft des Hauptgewerken Bernard der strenge Winter 1766/67 mit
der Folge, dass die wasserbetriebenen Pumpanlagen zur Wasserlösung (Sümpfung)
der Grube wegen des zugefrorenen Laubusbachs außer Betrieb waren (SPRUTH 1974).
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Anmerkung: im Jahre 1975 erfolgte von der Kreissparkasse Weilburg eine Nachprägung des
Hochzeitstalers in Feinsilber (Foto).
Der Schacht der Grube lag in Weyer auf dem Grundstück in der heutigen Weinberg-
straße Nr. 15 und ist als „Kunstschacht“ bekannt geworden. Da offenbar der übliche
Stollen zur Wasserlösung des Schachtes fehlte, hob man das Grubenwasser 30 m hoch
durch eine Wasserhebeanlage, die aus zwei übereinander stehenden Wasserrädern
bestand. Diese Räder wurden durch Aufschlagwasser betrieben, das anfangs aus dem
durch einen oberirdischen „Berggraben“ umgeleiteten Laubusbach weit oberhalb von
Weyer (wohl bei der heutigen zwischen Weyer und Münster gelegenen „Stollenmühle“)
entnommen wurde. Als dann aber alle weiter bachabwärts gelegenen Weyerer Mühlen
und auch die Schmelzhütte mangels Wasser nicht mehr betrieben werden konnten,
forderte der Landesherr das Mühlenbanngeld nun von der Gewerkschaft. Deshalb
wurde die Wasserzuführung verändert, in dem das (sicherlich auch verringerte) Wasser
durch einen kurzen durch den Bergrücken gegrabenen Zulaufstollen aus dem Laubus-
bach herausgeführt wurde. Da aber die Höhenverhältnisse nicht mehr stimmten, wurde
das Bachwasser mittels eines Hebewerks zum Stollen gehoben. Das Aufschlagwasser
und das Grubenwasser wurden durch den ca. 1100 m langen „Tiefen Grundstollen“ ab–
geleitet; dieser trat am Rande des Oberbrechener Walddistrikts „Horschen“ im Wiesen-
grund des Laubustales ins Freie. Dieses technische Wunderwerk („Wasserkunst“) war
um 1750 fertiggestellt und bewirkte trotz Unterbrechung bei langem winterlichem Frost
(so auch im Winter 1766/67) einen bedeutenden Aufschwung des Weyerer Silberberg-
baues; nach 1770 begann jedoch der Abbau zu stocken.
Anmerkung: das Fördermaschinengebäude des „Kunstschachtes“ war jahrelang als Ruine in
der Weinbergstraße (Nr. 15) zu sehen und wurde dann um 2000 abgerissen; heute befinden
sich dort moderne Wohnhäuser.
Nach dem Tod des Gewerken Bernard übernahmen am 10.2.1775 der Frankfurter
Christian Ziegler und Consorten die Rechte am Silber-, Kupfer- und Bleibergwerk; die
offizielle Belehnung erfolgte am 20.3.1775. Die neuen Gewerken stellten aber bald fest,
dass in der Weyerer Gemarkung die Erze offenbar von den Vorgängern schon weit-
gehend abgebaut waren und baten daher um Ausdehnung ihrer Rechte auf die Gebiete
von Münster, Wolfenhausen, Eschbach und Rolzhausen, wo sie eine Fortführung der
erzführenden Gänge erhofften. Am 31.12.1777 genehmigte der Graf Christian Ludwig
zu Wied-Runkel diese Ausdehnung ohne Einschränkung in großzügiger Weise. Es
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galten dabei zwei Freijahre ab der ersten Erzschmelze, erst danach war der 18. Teil des
gewonnenen Metalls als „Zehnter“ zu zahlen. Außerdem verzichtete der Graf auf sein
Vorkaufsrecht und Wasserrechte für die Hütte.
Am 12.5.1792 bestätigte der neue Landesherr, Carl Fürst zu Wied-Runkel, die erteilten
Rechte zum Bergbau auf alle Mineralien im Gebiet von Weyer, Münster und Wolfen-
hausen (Eschbach und Rolzhausen sind nicht mehr erwähnt); dabei umfassten die
Rechte auch den Bau von Aufbereitungs- und Schmelzanlagen und ein Vorzugsrecht
für den Bezug von Bau-, Kohl- und Röstholz. Neu war die Forderung, den Bergbau
„ordentlich und nicht auf den Raub zu betreiben“; auch der Erzverkauf ins „Ausland“
wurde gestattet. Da die Erzfunde danach nicht zufriedenstellend waren, beschloss die
Gewerkschaft daher, den Bergbau zu beenden; dies erfolgte im Jahre 1799.
Trotz Schließung der Grube wegen fehlender Erzfunde erfolgte im Jahre 1810 eine
Neuverleihung der Grube „Alte Hoffnung“ an den Bergmeister Menzler aus Diez für den
Abbau alle edler Metalle wie Gold, Silber, Kupfer, Blei und Quecksilber. Andere Interes-
senten beantragten um 1811/12 die Rechte zur Erzsuche auf den alten Halden und zum
Verpochen der Schlacken.
1819 kam es unter Menzler zur Gründung einer Gewerkschaft, bei der die Grafen von
Bernburg-Holzappel-Schaumburg als Hauptgewerken der Grube „Alte Hoffnung“ be-
teiligt waren. Diese waren Eigentümer der großen an der Lahn gelegenen Grube
„Holzappel“; die Betriebsleitung der Weyerer Grube erfolgte dann durch die Berg-
werksverwaltung in Holzappel.
Im Jahre 1822 erstellte Menzler ein umfangreiches Gutachten an den Oberbergrat in
der Herzoglich-Nassauische Landesregierung zu Wiesbaden über den damaligen Zu-
stand der Grubenanlagen. Er beschreibt darin die damals bekannten vier Blei- und
Silbererzgänge: der aus Silberfahlerzen bestehende Selterser Weggang (1), der han-
gende Blei- und Silbererzgang mit den Einigkeitsschächten und dem Silberschacht (2),
der liegende Blei- und Silbererzgang mit dem alten und neuen Kunstschacht, dem
Wingertschacht und Waldschacht (3) und der liegende Blei- und Silbererzgang mit dem
Jacobschacht und Gelbeschacht (4). Außerdem beschreibt er ausführlich den Tiefen
Stollen mit Lichtschächten, den Gottessegenschacht und den Neuhoffnungsschacht.
Es kam dann noch einmal zu einem intensiven Betrieb in der Grube. Mit Hilfe einer
1836 errichteten Dampfförderanlage und neuen Pumpen im nun auf 60 m vertieften
„Kunstschacht“ wurden zwischen 1818 und 1844 noch einmal 15 419 Kübel aufbereitete
Erze gefördert. Man gab viel Geld für die neuen Maschinen zur Förderung und Aufbe-
reitung aus, dennoch musste wegen Vertaubung der Erzgänge der Betrieb der Grube
„Alte Hoffnung“ 1844/45 eingestellt werden und die Weyerer Gewerkschaft ging 1848 in
Liquidation.
Der Betriebsleiter Oberbergrat Friedrich Odernheimer, der die Grube von 1836-39
leitete, verfasste später 1865 folgende mineralogisch-geologische Beschreibung der
Grube:
Die Weherer Gänge führten teils Bleiglanz, teils Fahlerze, welche meistens in beson-
dere Erzmittel getrennt vorkommen, aber auch stellenweise gemengt auftreten. Die mit
den Erzen vorkommende hauptsächliche Gangart ist auch hier Quarz,- außerdem ent-
halten die Gänge auch Kalk – und besonders Braunspath, in einzelnen Lagen und
Streifen an den Saalbändern; oder auch in der Mitte. Ueberall, wo der Quarz fehlt und
Braunspath allein vorhanden ist, fehlen die Erze.
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Der Einfluss des Nebengesteins auf die Erzführung macht sich in der auffallendsten
Weise bemerklich. Da, wo Grünstein mit Thonschiefer (Cypridinenschiefer) wechselt,
findet sich hauptsächlich nur Bleiglanz, meist grobblätterig und von geringem Silber-
gehalt (1 Loth im Centner), dagegen da, wo Schalstein mit Schiefer wechselt, kommt
fast nur Fahlerz vor (reich an Silber, von 12 Loth im Centner bis zu 1 pCt. und mehr mit
7–8 pCt. Kupfer).
In andern Gangparthieen waren Blei- und Fahlerze mehr gemengt, aber auch durch das
Auftreten von besonders charakterisirten Schalsteinen bedingt. In den Gebirgstheilen, in
welchen Schalstein allein und sehr compact auftritt, zeigte sich dieses Gestein für die
Erzführung sehr ungünstig. Noch ungünstiger erwies sich aber der dichte Grünstein, wo
er vorherrschend sich fand, indem die Gangspalte durch den-selben sich nicht öffnen
konnte und daher nur als Besteg durchsetzt. Dies war leider auf dem Weherer Werk
das letzte Ergebnis des Tiefbaus, in welchem die Gebirgschichten sich zuerst fast ganz
flach legten, und alsdann Grünstein mit blossem Gangbesteg angefahren wurde,
welcher so ausserordentlich compact war, dass mit den grössten Kosten eine Fort-
setzung der Arbeit kaum ausführbar war.
Die erweiterte horizontale Verbreitung des Grünsteins in grösserer Teufe ist geologisch
ebenfalls von Wichtigkeit, dieselbe hat sich aber für den Bergbau sehr verderblich
erwiesen, während in oberen Teufen der ältere Bergwerksbetrieb periodisch reiche
Resultate geliefert hatte. Die Weyerer Gänge streichen von hora 7–9, während die
Gebirgsschichten hora 4–5 streichen, die Hauptgänge, deren drei vorhanden sind,
senden öfters Ausläufer ab, auch finden sich anders streichende Nebentrümmer und
Gänge, sobald sie aber über hora 9 hinaus, der Mittagslinie sich mehr näherten,
erwiesen sie sich erzleer.
Nach 1848 gab es noch mehrere Eigentumsänderungen an der Grube „Alte Hoffnung“;
ein Betrieb fand jedoch nicht mehr statt und ruht seit dem. Da die Erzführung der Gänge
in der Tiefe stark abnahm, dürfte es auch in Zukunft keinen Abbau mehr geben.
Verwendete Literatur zur Geschichte des Bergbaues:
FÄRBER, I. (1990): Aus der Geschichte der Grube „Alte Hoffnung“ zu Weyer
(unveröffentlichtes Manuskript, mit Aktenauswertung), VHS-Bad Homburg, 4 S.;
Bad Homburg.
KLIPSTEIN, P. E. (1784): Mineralogischer Briefwechsel, II. Band, S. 55; Gießen.
KUHNIGK, A. M. (2000): VII. C. Silbergewinnung, in: Villmar, Geschichte und Gestalt
einer hessen-nassauischen Großgemeinde (2. Auflage), S. 155-166; Villmar.
ODERNHEIMER, F. (1865): Das Berg- und Hüttenwesen im Herzogthum Nassau,
1. Band; Wiesbaden.
SPRUTH, F. (1974): Die Bergbauprägungen der Territorien an Eder, Lahn und Sieg.
Bergbaumuseum Bochum, Nr. 6, S. 125-134; Bochum.
WOLTER, K. D. (1990): Bergbau in der Gemarkung Weyer (Gehalten als Vortrag in
Weyer im November 1989), in: Weyer, Heimatbuch zur 1200-Jahrfeier, S. 30-57;
Villmar.
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Homepage des Marktflecken Villmar, darin ein Bericht vom 24.7.2018 über
geomagnetische Messungen in Weyer (Röm.-German. Kommission d. Deutsch.
Archäolog. Institut) und über Grabungen in der Gemarkung
(DR. SABINE SCHADE-LINDIG).
3. Geologie
Bei dem Vorkommen „Alte Hoffnung“ handelt es sich um mehrere mächtige Ankerit–
/Calcit- /Quarzgänge mit wechselnder Erzführung von Fahlerz, Bleiglanz und Kupfer-
kies, untergeordnet Pyrit und Zinkblende, die Hauptstreichrichtungen von westsüdwest
nach ostnordost und westnordwest nach ostsüdost aufweisen (siehe historische Lager-
stättenkarte, Seite 2).
Diese Gänge sind noch variskisch während der Gebirgsbildung im Karbon entstanden,
vergleichbar mit den großen Erzgängen von Bad Ems oder Holzappel (JAKOBUS 1992)
oder postvariskisch nach der Gebirgsbildung (KIRNBAUER et al. 2012).
Die Nebengesteine der Gänge sind mitteldevonische Tonschiefer und mittel- ober-
devonische Diabase und Schalsteine in Wechsellagerung.
4. Mineralogie
Fahlerze
Fahlerz ist ein alter deutscher
Bergmannsname, benannt nach dem
„fahlen Glanz“. Fahlerze gehören in
die Gruppe der Kupfer-Komplex-
Sulfide; die allgemeine Formel unter
Berücksichtigung der Wertigkeiten ist
nach KLOCKMANN (1978):
[(Cu,Ag)20 (Fe,Zn,Hg)4 (As,Sb,Bi)8] S26,
vereinfachte Formel: A12X4S13,
A= Cu,Ag,Fe,Zn,Hg X= As,Sb,Bi.
Man unterscheidet je nach chemischer
Zusammensetzung folgende Fahlerz-
minerale:
Tennantit (genannt nach dem
englischen Chemiker S.Tennant):
Cu12As4S13,
Tetraedrit (nach der tetraedrischen
Gestalt der Kristalle): Cu12Sb4S13 .
Zwischen Tennantit und Tetraedrit
besteht eine lückenlose Mischungs-
Foto: G. Sterrmann
reihe, die sog. Mischfahlerze, mit
Silbergehalten bis zu 2 % Ag.
Chemisch verschiedene Abarten sind:
Fahlerz (Mischfahlerz) (L = 6 cm)
Grube „Alte Hoffnung“
Freibergit – silberhaltiger Tetraedrit (bis zu 18 % Ag) und Schwazit – quecksilberhaltiger
Tetraedrit (bis zu 17% Hg).
In der Grube „Alte Hoffnung“ wurden Mischfahlerze wegen des Silbergehaltes als
Haupterz zur Gewinnung von Silber abgebaut und verhüttet.
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Über den Silbergehalt im Fahlerz wurden unterschiedliche Angaben gemacht.
ODERNHEIMER (1865) gibt einen Silbergehalt von 12 Lot im Zentner mit 7-8 % Kupfer
an (s. o.); dies entspricht umgerechnet ca. 1,8 % Ag in 100 %igem Fahlerz (mit 38,5 %
Cu).
KUHNIGH (2000) bezieht sich auch auf Angaben von ODERNHEIMER und gibt einen
Silbergehalt von 72 g pro Zentner mit 7-8 % Cu an; dies entspricht umgerechnet ca.
0,75 % Ag in 100 %igem Fahlerz (mit 38,5 % Cu).
Eigene Analysen (STERRMANN 2010) von drei verschiedenen Fahlerzproben (Halden-
funde an unterschiedlichen Stellen) ergaben Silbergehalte von 0,75%, 0,91 % und 1,25
% bezogen auf jeweils 100 % iges Fahlerz (Verhältnis von As:Sb = 1:1,5 bis 1:1,9).
Bleiglanz, Galenit, PbS
Neben Fahlerz wurde Bleierz (Bleiglanz) mit geringerem Silbergehalt als Derberz (fein-
bis grobspätig) abgebaut und verhüttet. ODERNHEIMER (1865) gibt im grobspätigen Blei-
glanz einen Silbergehalt von 1 Lot im Zentner an (s. o.); dies entspricht umgerechnet
0,03 % Silber. Eine eigene Analyse (STERRMANN 2010) von einem derben Bleiglanz-
Handstück (Haldenfund) ergab einen Silbergehalt von 0,07 %.
Weitere Mineralien
WENCKENBACH (1879) beschreibt von der Grube „Alte Hoffnung“ neben Fahlerz und
Bleiglanz noch folgende Mineralien: Kupferkies (Chalkopyrit), Rotgültigerz (Pyrargyrit)
und Grünbleierz (Pyromorphit).
Foto: Tom Weisel, Gießen
Kupferkies-xx auf Quarz-xx (Bb = 11 mm), Grube „Alte Hoffnung“
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KIRNBAUER (2012) beschreibt Tennantit-Tetraedrit (Ag-reich), Galenit (Ag-arm) und
Pyrit, außerdem Sphalerit, Gersdorffit, Markasit und Pyrargyrit (selten).
Im Mineralienatlas (online) sind folgende Mineralien aufgeführt: Kupfer, Silber?, Galenit
(Bleiglanz), Tennantit-Tetraedrit, Akanthit, Proustit, Pyrargyrit, Chalkopyrit (Kupferkies),
Pyrit (Schwefelkies) und Sphalerit (Zinkblende), außerdem die Oxidationsminerale
Cuprit, Malachit, Azurit, Cerussit, Pyromorphit, Olivenit, Tirolit, Devillin und Erythrin; bei
einem Teil dieser aufgeführten Mineralien handelt es sich um Haldenfunde in Form von
Micromounts. Begleitmineralien sind Ankerit, Calcit und Quarz.
Malachit-xx
(Bb = 3,8 mm)
Grube „Alte
Foto: Tom Weisel, Gießen
Hoffnung“
Azurit-xx
(Bb = 9 mm)
Grube „Alte
Hoffnung“
Foto: Tom Weisel, Gießen
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Verwendete Literatur zur Geologie und Mineralogie:
JAKOBUS, R. (1992): Die Erzgänge des östlichen Taunus. – Geolog. Jahrbuch Hessen,
120,S.145-160; Wiesbaden.
JAKOBUS, R. (1993): Untersuchungen zur Genese und Ausbildung der postvaristischen
Quarz- und Buntmetallerz-Gänge des Osttaunus. – Dissertation (Uni-Frankfurt), 180 S.;
Frankfurt/M.
KIRNBAUER, T., WAGNER, T., TAUBALD, H., BODE, M. (2012): Post-Variscan hydrothermal
vein mineralization, Taunus, Rhenish Massif (Germany): Constraints from stable and
radiogenic isotope data. – Ore Geology Reviews 48, S. 239-257.
KLOCKMANN, F. (1978): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie (überarbeitet und
erweitert von P. Ramdohr und H. Strunz), 16. Auflage, S. 433-442; Stuttgart.
KUHNIGK, A. M. (2000): VII. C. Silbergewinnung, in: Villmar, Geschichte und Gestalt
einer hessen-nassauischen Großgemeinde (2. Auflage), S.155-166; Villmar.
ODERNHEIMER, F. (1865): Das Berg- und Hüttenwesen im Herzugtum Nassau,
Wiesbaden.
STERRMANN, G. (1990): Fahlerze – Untersuchungen über Fahlerze im Taunus. Geo-
Zentrum, VHS-Bad Homburg, M 6, 9 S.; Bad Homburg.
STERRMANN, G. (2010): Silbergehalt von Bleierz (Bleiglanz) und Fahlerz aus dem
Taunus und der Lahnmulde. – Jb. nass. Verein Naturkunde, 131, S. 53-76; Wiesbaden.
WENCKENBACH, FR. (1879): Übersicht über die in Nassau aufgefundenen einfachen
Mineralien. – Jb. Nass. Vereins f. Naturkunde, 31/32, S. 147-219; Wiesbaden.
Verfasser: Günter Sterrmann, Oberursel/Ts.
Herausgeber: Geologischer Arbeitskreis der VHS Bad Homburg v.d.H., Dezember
2020.
Alle Rechte, auch die der Übersetzung, des auszugsweisen Nachdrucks, der
Herstellung von Mikrofilmen und der Übernahme in Datenverarbeitungsanlagen
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